Donnerstag, 18. September 2014

Die Weisheit des Jakob Augstein, oder das Quaken der Nicht-Ente

Ich lese ja Jakob Augstein schon lange nicht mehr, und wenn doch, dann reichts nur mehr für einen schnellen Überflug samt müdem Kopfschütteln, wobei sich auch Mitleid sich des öfteren breitmacht, können die übergroßen Fußstapfen der Väter einen ja furchtbar zermürben. Bei der Daniel-Cohn-Bendit-Kindergarten-Fummel-Lobrede wars so,....

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-den-fall-cohn-bendit-a-899438.html

http://www.cicero.de/berliner-republik/paedophilie-vorwurf-daniel-cohn-bendit-und-ein-unappetitliches-plaedoyer-von-links/54429

...und nun hat er sich zum verkrampften Andersdenken die Salafisten ausgesucht:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-die-scharia-polizei-in-wuppertal-a-990982.html

Ja, da gebe es nun viel zu antworten, jedoch möchte ich dies nicht selber tun, ist eine Unterhaltung Georg vs Jakob ja nicht so interessant wie der Artikel der ZDF-Journalistin Sounia Siahi, spricht sie ja - als einzige - aus eigener Erfahrung:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/salafisten-journalistin-sounia-siahi-reagiert-auf-augstein-kolumne-a-991888.html

Würde man nun zur Selbstkritik fähig sein, dann würden einem diese Worte zu denken geben, und der Inhalt des kuscheligen Kaminofens würde über das Haupt des Herrn Augstein rieseln, jedoch passiert dies nicht, kommt stattdessen ja ein Satz, der die heutige Situation von so manchem Berufslinken hervorragend erklärt

"Ich schreibe natürlich für eine autochthone, hauptsächlich weiße, bürgerliche Leserschaft, die sich darüber Gedanken machen muss, wie sie die offene Gesellschaft am Leben erhält."

Ich fasse zusammen:  Er weiß, dass es quakt. Er weiß, dass es watschelt. Und er weiß, das es Federn trägt, kann es aber aus Gründen des gewohnten Leserklientels nicht als Ente bezeichnen. Oder anders: Er ist gefangen in alten Feindbildern, die keine anderen Idioten zulassen, wirds ja nur gefährlich von rechts, weswegen es keine anderen Volldeppen geben darf. Gestern wars so, heute erst recht, und morgen garantiert auch noch, selbst wenn man sich dafür ein Sehorgan mit dem Kugelschreiber ausstechen muss. Lang leben die Alt-68er, die zwar heute nichts mehr von Mao wissen wollen, sich aber immerhin durch einen strikt eingeübten Verdrängungsmechanismus noch sehnsüchtig ans damalige Protestgruppenkuscheln samt Steinwurf zurückerinnern können.

Nein, das kann und darf man nicht zerstören, muss neben den immer näher rückenden Drittzähnen ja noch Platz für Melancholie sein dürfen, weswegen diese Scheiß-Nazis fürs Gegen-die-Demokratie-sein bespuckt, die Salafisten aber für dasselbe gehätschelt werden. Logisch ist dies natürlich nicht, aber da scheißt das Meerschweinchen drauf, ist das Gestern ja wichtiger als das Heute, und sollte jemand anders denken, dann ist er ein Rechter, selbst wenn dieser weiß, dass die Salafis unter den Muslimen nur eine Randerscheinung sind, wenn auch eine extrem gefährliche. Wer von da "draußen" kommt, der ist der Gute. Immer. Ausnahmslos. Und wir sind hier alle Rassisten. Immer. Ausnahmslos. Außer die von der "weißen, und autochthonen Bürgerschaft" natürlich, können von denen ja sogar noch Araber lernen, was ein Araber ist, schließlich wissen die da unten ja nix, weswegen man es ihnen eben einfach erklären muss. Gut bürgerlich. Und weiß eben auch, kommt dies ja nicht grundlos vom Wörtchen "Wissen". Oder?

Guten Abend


Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Du schreibst mir aus der Seele, Georg.

    Padawan P

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  2. Dem Spiegel habe ich schon vor deiner Veroeffentlichung eine Mail
    gesendet, denn natuerlich konnte man da mal wieder nicht kommentieren.

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  3. Die Ente bleibt halt draussen ^^

    "Früher eröffnete der Papst eine Boutique in Wuppertal - heute der Imam. Man sieht, die Lage ist ernst - oder?"

    Selten. So. Gelacht.

    Herr Jakob Lottostein sollte mindestens 66 Jahre Urlaub in Island machen und währenddessen seine eigenen Artikel 500.000 Mal durchlesen bevor er als Rentner nach Wuppertal geht, der Scherzkeks, der.

    Grinsekatze

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  4. Keine Toleranz gegenüber Intoleranten.

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  5. Zitat J. Augstein
    "So ist das aber, wenn man in einem Gefecht ist, wo die Feinde von zwei Seiten kommen können - wenn ich das mal so militärisch sagen darf.

    Was ist die Lösung? Ich weiß es nicht."

    Diesen Schluss-Satz finde ich auf jeden Fall gelungen.

    Islamkritik befeuert immer auch Muslimfeindlichkeit. Menschen, die wenig differenzieren, kommen auf den Gedanken, das Kind mit dem Bad auszuschütten und Muslime auszugrenzen.
    Dass manche Muslime sich selbst ausgrenzen durch Islamismus, macht diesen Umstand nicht weniger schlimm.
    Ganz im Gegenteil, es sind hier alle Voraussetzungen für einen Teufelskreis gegeben.
    Wollen wir wirklich in diesen Teufelskreis eintreten?
    Davor warnen in der Zusammenschau beide Texte, der von Sounia Siahi und die Antwort von J. Augstein (der durch Frau Siahis Kritik etwas dazu gelernt zu haben scheint, und wenn der dabei noch zugibt, Klientel bedient zu haben ...).

    Tatsache ist nach meiner Anschauung, dass die meisten Muslime anständige Menschen sind (ob nun gesagt wird trotz oder wegen Islam, sei dahingestellt). Muslime sind weder die besseren noch die schlechteren Menschen. Sie sind Menschen, mit denen man zusammen leben kann.

    Wie kann der Islam kritisiert werden, ohne Muslimfeindlichkeit zu befeuern?
    Ich weiß es auch nicht.

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  6. Interessantes Interview mit dem Islamtheologen Farid Esack.

    http://de.qantara.de/inhalt/interview-mit-dem-islamischen-theologen-farid-esack-deutsche-muslime-sind-nur-mitreisende

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  7. Jakob Augstein ist intelligent genug um sich solchen Threads zu entledigen. Er braucht Sie nicht!!! Ich teile viele seiner Ansichten nicht, aber er ist sicher kein Salafiversteher!. Er schreibt nur, was viele Denekn: Die Salafis sind nur eine leine Minderheit im Islam, sie sind vergessenswert, nicht "ernst zu nehmen"....

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    1. Salmei - Dalmei - Adomei!

      ... und schon haben wir, zur Bestätigung des Titels ...

      ... das Quaken der Nicht-Ente

      ... ein quakendes Nicht-Enten Duett. Tönt es nicht lieblich?
      Frage: Welche von den beiden ist nu der Köbes mit dem Stein im Sehorgan, und welche ist der adulator mendacissimus?

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    2. @ Micha

      "Die Salafis sind nur eine kleine Minderheit im Islam, sie sind vergessenswert, nicht 'ernst zu nehmen'...."

      Möglicherweise sind diese Ignoranten bedeutungslos, aber ernst nehmen sollte man sie auf jeden Fall! Denn man hat schon früher einmal den Fehler begangen, den kleinen, oberösterreichischen Postkartenmaler aus einem Wiener Obdachlosenasyl nicht ernst zu nehmen ...

      Außerdem muss sich Augstein für seine Äußerung, nur "für eine autochthone, hauptsächlich weiße, bürgerliche Leserschaft" zu schreiben, nicht nur den Vorwurf der Arroganz, sondern auch des RASSISMUS gefallen lassen!

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    3. @ Micha,
      diese "kleine, nicht ernst zu nehmende Minderheit im Islam" beherrscht und terrorisiert gerade ganze Landstriche mit Millionen Menschen unter ihrer Fuchtel.

      "Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht."Abraham Lincoln

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    4. Augatein ist sicher kein (!!!) Freund des IS!. Aber er mahnt (!) zur Besonnenheit, zum Frieden, (entgegen dem "Culture-Clash). Der IS gehört zerstört. der Salafismus in Deutschland muss viel entschiedener bekämpft werden, wie es unsere Politiker momentan tun.Es muss etwas geschehen in diesem Land, gegen Salafis, für Muslime....Pierre Vogel gehört in Haft (Siehe seine Beiträge zur ISis), Sven Lau ebenso....Sharia Polizei ist der krankhafte Versuch, radikalen Islamismus in Deutschland verkehrsfähig zu machen....Never Ever....Liberale Muslime müssen, wie auch wir Christen, Atheisten etc..., vor so etwas beschützt werden...Aber Mutti und Co. machen nicht viel, sie ignorieren das Problem einfach....

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  8. Interessant, wie der angeblich aufgeklärte Augstein versucht sich auf Rasse, Klasse und Geschlecht beruft um sich rauszureden.

    Die "Linken" können aktuell nur ganz schwer akzeptieren, dass aus Moskau eben nicht mehr der Wind der - angeblichen - Völkerfreundschaft weht. Ihnen fehlt oft der Blick für die Gefahr von Leuten wie P.V. und manche sind zunehmend antieuropäisch eingestellt. Ein Freund meinte mal zu mir: "die sind seit 30 Jahren auf Autopilot". Und der lässt "das Böse" nur aus Richtung Washington oder Jerusalem (Palästina-Frage) erwarten.

    Wo sind bloß die progressiven Linken geblieben?

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