Donnerstag, 16. Mai 2013

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Ich habe gestern eine interessante Diskussion geführt, welche zwar an sich nichts mit dem Salafismus zu tun hat, an welcher ich Sie aber trotzdem teilhaben lassen möchte, ging es darum ja um die Islamkonferenz und die NSU-Morde und was man danach sagen darf und was nicht. Zu allerst lesen Sie bitte den folgenden Artikel aus der FAZ und lassen Sie ihn bitte auf sich wirken:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/harte-bretter-zumutungen-des-rechtsstaates-12175994.html

Und nun lesen Sie bitte den Gegenkommentar:

http://www.publikative.org/2013/05/10/faz-integrationsunwillige-mitschuldig-am-nsu-terror/

Nein, ich bin kein Freund der publizistischen Ergüsse eines Jasper von Altenbockum, ist seine Lichtenhagen-Verharmlosung ja unter aller Sau, jedoch trifft dies meiner Meinung nicht auf den obigen Artikel zu, entbehren die erhobenen Vorwürfe ja jeglicher Grundlage und es zeigt vielmehr, dass man in diesem Lande wieder nichts gelernt hat und dies leider auch in Zukunft nicht tun wird, übt man sich ja - wie immer nach derartigen Verbrechen - in Wortverbiegungen und Schuldzuweisungen, lässt aber die Wurzel des Übels unbehandelt und gibt sich dafür lieber einer ausufernden Selbstzensur hin.

Wie? Ob ich Sympathien für die Rechten hege? Im Gegenteil, so verachte ich diese Bande ja abgrundtief und ich denke (und hoffe), dass dies hierzulande die überwiegende Mehrheit tut, weswegen ich auch nicht verstehen kann, dass man ihnen viele wichtige Themen überlässt, nur damit man sich selber nicht dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit aussetzen muss. Um diesem schiefen Licht zu entgehen, welches einem bei kritischen und unbequemen Worten gerne entleuchtet, verbietet man sich nun einfach das Denken, hängt sich fast untertänig ans Bein der jeweiligen Opfer, und man geht zornig auf jegliche vermeintlich unkorrekte Äußerung los, beißt man ja genüsslich in jede Wade, die sich einem auf dem selbstgewählten Weg der Ritterlichkeit bietet.
Damit, meine Herrschaften, hilft man aber niemanden, so kann man selbst die dümmsten Vorurteile nicht mit einem heroischen Schweigen aus der Welt hocken, sondern verfestigt sie so im Gegenteil zu einer immer höher werdenden Mauer, welche immer schwerer eingerissen werden kann, befindet sie sich ja in den Köpfen und dahin dringt man nur schwerlich vor.

Was aber dagegen tun und wie beseitigt man die immer breiter werdende Kluft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen dauerhaft? Meiner Meinung nur mit offenen Worten und eben Kritik, welche sich jede "Seite" ohne einer Orgie des Beleidigtseins anhören muss, und mit einer angeschlossenen Suche nach den Ursachen - so zum Beispiel zu dieser Studie, welche 50 Prozent der Deutschen eine Islamfeindlichkeit attestiert:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article115664989/Jeder-Zweite-haelt-den-Islam-fuer-eine-Bedrohung.html

Auch alles islamophobe Rassisten? Alles Nazis? Grundlose Panikmache, gesteuert von parolenschwingenden Hassbolzen? Oder gibt es da vielleicht doch einen Grund für die Ängste der Menschen? Wie? Viele davon sind unbegründet? Mag sein, jedoch wird ein politisch-überkorrektes Drüberfahren daran nichts ändern, genausowenig wie daran:

http://www.mdr.de/nachrichten/studie-rechtsextremismus-uni-leipzig100.html

Auch dagegen wird ein simples "Buuuuuuuh!" mit angeschlossenem "Bäääääääh" nicht wirklich zum Erfolg führen, wird dies im Gegenteil diese falsche Sicht auf Zuwanderer ja noch verfestigen. Und auch umgekehrt ist eine erschreckende Tendenz zu erkennen....

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/studie-zu-deutsch-tuerken-integrationswillen-steigt-religiositaet-auch-a-850429.html

...welche zeigt, dass eben wirklich alles ineinander greift, wobei kein Mensch mehr weiß, ob die Henne zuerst da war, oder doch das Ei. Ein simples Dafür- und Dagegensein ist zur Lösung dieses schwellenden Konflikts allerdings auf jeden Falle kontraproduktiv, weswegen wir uns gerade nach den NSU-Morden nicht einer Selbstgeißelung hingeben sollten. Natürlich müssen die noch lebenden Täter bestraft und die Rolle der Behörden rückhaltlos aufgedeckt werden, aber gleichzeitig müssen wir alle die Ärmel aufkrempeln und miteinander reden. Schonungslos, offen und auch jeder bereit zum Kehren vor der eigenen Tür. Und wir müssen vor allem die Ängste der Menschen ernst nehmen und zwar von allen, kann man sie ja nur so ausräumen. Finde ich zumindest. Was denken Sie?

Guten Tag


Kommentare:

  1. Ihr Beitrag und überhaupt Ihr löbliches Engagement reißt das eigentliche Problem leider nur an. Tatsächlich müsste der Themenkomplex schon lange im Zentrum des gesellschaftliches Diskurses stehen; er ist nämlich so neu nicht. Ältere Semester dürften sich noch lebhaft an die Diskussionen um den Euroislam erinnern (was ist eigentlich aus dem geworden?). Inzwischen haben sich weite Teile der Medien, insbesondere der gesamte Bereich der Öffentlich-Rechtlichen, aus der Diskussion verabschiedet und füllen lieber Sendestunde um Sendestunde mit belanglosem Müll. So liefert zB das "Qualitätsprogramm" des Spartenkanals PHOENIX stundenlange Berichterstattungen zum Papstrücktritt und Papstneuwahl während man eines der drängendsten innenpolitischen Probleme nur pflichtschuldig behandelt. Gerade was die elektronischen Medien mit Reichweite betrifft werden kritische journalistische Arbeiten inzwischen unter politisch Interessierten wie begehrte Bückware gehandelt. Das selbst oder politisch verordnete Totschweigen geht inzwischen so weit, dass dem Konsumenten nicht einmal mehr Blicke in europäische Nachbarländer und deren Umgang mit ganz ähnlich gelagerten gesellschaftlichen Problemen gewährt werden. Lieber schiebt man die dauergrinsenden Visagen der Jauchs, Illners und Wills nebst ihren gebührengemästeten Bäuchen und den immer gleichen Laber-Gästen vor die Kameras, nur um den Anschein einer politischen Aktualität zu wahren - politischer Journalismus war gestern. Mir ballt sich die Faust in der Tasche, wann immer mir die geleckten und gelackten Zahnreihen aus der Glotze entgegenplärren - und man wünscht sich eine längst vergangene Diskussionskultur zurück, wo schon mal das Studiomobiliar unter Zuhilfenahme eines Beils zurechtgestutzt wurde. Mag sein, in der Erinnerung verschwimmt vieles - aber wer politischen Journalismus noch mit Namen wie Claus Hinrich Casdorff, Hermann Schreiber oder meinetwegen Franz Alt oder Gerhard Löwenthal verbindet, kann angesichts des heutigen Personals nur mühsam den Brechreiz unterdrücken. - Neue Köpfe braucht das Land, auch und gerade im Journalismus; Köpfe mit Haltung statt Zahnreihe ohne Fehlstelle!

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  2. Meines erachtens bedarf die gesamte Debatte über den Islam einer kompletten Neubewertung und vorallem einer Entflechtung der verschiedenen Streitthemen.

    Momentan habe ich nciht den Eindruck, dass vernüftig debattiert wird, sondern ich höre - von beiden Seiten (!) - immer und immer wieder dieselben Scheinargumente;

    Geht es um islamischen Terrorismus kommen zwangläufig Verweise auf den Holocaust oder die amerikanische Invasion im Irak, wird über die Rechte von Moslems in Europa debattiert, bringt jemand an, dass in islamischen Ländern Menschenrechte nicht gelten.

    Das Thema ist so vielshichtig, dass in der öffentlichen Diskussion längst jedes Augenmaß verloren wurde.

    Wie man aus diesem festgefahren Zustand, der wiederum beisetig von persönlicher Seite, von Medien und Politik zementiert wird, herauskommen soll, ist mir leider auch ein Rätsel.

    Denn man findet kaum Leute der "Mitte".

    Es wird wohl daruf hinauslaufen, dass es nicht nur einen beschworenen Zusammenprall der Kulturen gibt - denn diesen erleben wir momentan -, es wird zu einem Krieg kommen.


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    1. Hoffentlich behalten Sie nicht recht

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    2. Ich hoffe auch inständig, dass ich falsch liege!

      Aber es ergeben sich nunmal gravierende Probleme im erzwungenen Zusammleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen.
      Und gerade weil diese nicht offen angegangen werden, vergrößert sich die Kluft leider zusehens.

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    3. Die Bundeswehr baut immer mehr ab. Alles ist möglich, denn Mohamedaner, pardon, Islamisten, pardon, MUSLIME nützen dann gerne die Schwächen anderer Menschen aus...

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    4. "Was aber dagegen tun und wie beseitigt man die immer breiter werdende Kluft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen dauerhaft?"

      Durch interkulturelle Arbeit an Schulen und Kindergärten! Das bewirkt langfristig weit mehr gegen die sarrazinotische Panikmache und Gleichmacherei als sich mit dieser auf eine sinnlose frustrierende Endlosdiskussion einzulassen.

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    5. @Anonym17. Mai 2013 19:11:

      Das meinte ich auch mit dem "Ärmel aufkrempeln". Aber dafür brauchts Menschen, die miteinander reden und zwar offen und ohne "das darf man nicht sagen". Alle Ängste und Vorurteile müssen auf den Tisch, kann man sie ja nur so beseitigen und gemeinsam Lösungen finden.

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